Im Bereich der Materialforschung hat ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Australien, Italien, den USA sowie dem Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart einen neuen Typ künstlicher Muskeln entwickelt. Diese künstlichen Muskeln (Aktuatoren) wandeln elektrische Energie in mechanische Bewegung um. Wie natür-liche Muskeln bestehen die neuen Aktua-toren aus Milliarden von einzelnen, nur
Nanometer messenden kleinen Fasern, die parallel agieren und dabei mechanische Arbeit verrichten. Im Gegensatz zu den relativ schwachen Fasern eines Muskels sind die neuen Aktuatoren aus winzigen Kohlenstoff-Nanoröhrchen zusammengesetzt, deren mechanische Eigenschaften denen eines Diamanten ähneln. Aufgrund der hohen Festigkeit der Kohlenstoff-Nanoröhrchen sowie der damit erreichbaren mechanischen Bewegung haben die neuen Aktuatoren das Potential, bei jeder Bewegung sowohl mehr Arbeit zu verrichten als auch eine höhere mechanische Spannung zu erzeugen als alle bisher für Aktuatoren verfügbaren Technologien. Wegen der besonderen Hitzebeständigkeit des Kohlenstoffs kann der neue Aktuatortyp zudem bei Temperaturen bis zu 1000 Grad Celsius eingesetzt werden, was bei weitem die Möglichkeiten bisher vorhandener Kraftwandler übertrifft. Aufgrund dieser speziellen Eigenschaften eröffnet sich ein weites Anwendungsfeld. So finden Kohlenstoff-Nanoröhrchen wegen ihrer hohen Zugfestigkeit in Verbundwerkstoffen Anwendung. Aufgrund ihrer großen spezifischen Oberfläche eignen sie sich im Übrigen auch gut zur Absorption verschiedener Gase, was sie z.B. für die Speicherung von Wasserstoff und damit für den Einsatz in der umweltschonenden Energietechnik interessant macht.
